Der Wasserverbrauch in Österreich wird in den kommenden Jahrzehnten steigen – gleichzeitig werden Trockenperioden aufgrund der Erderhitzung häufiger. Schon dieses Jahr fiel das Grundwasser in der Dürre auf ein Rekordtief. Dennoch ist bisher kaum bekannt, wie viel Wasser Großverbraucher wie Industrie und Landwirtschaft tatsächlich nutzen. Das soll sich nun ändern. Die Regierung präsentierte am Freitag ihren Gesetzesentwurf für ein neues Register zur Wasserentnahme, der dem STANDARD vorliegt.
Mit der Verordnung sollen künftig "wesentliche" Wasserentnahmen gemessen und zentral gemeldet werden, wie das Umweltministerium erklärt. Diese Daten sollen die mittel- und langfristige Planung der österreichischen Wasserwirtschaft unterstützen und es möglich machen, bei Bewilligungen zur Wasserentnahme besser auf mögliche Engpässe zu achten. Wichtig sei das etwa, wenn entschieden wird, wo Rechenzentren oder Wasserstoffanlagen gebaut werden dürfen, erklärte Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP). "Auch Österreich als sehr wasserreiches Land steht vor neuen Herausforderungen aufgrund des Klimawandels und eine vorausschauende Wasserwirtschaft wird immer wichtiger."
In einem ersten Schritt gilt die Regelung allerdings nur für Großverbraucher ab 150.000 Kubikmeter pro Jahr oder 30 Litern pro Sekunde. Das betreffe rund 2600 Industriebetriebe und landwirtschaftliche Genossenschaften, erklärte Totschnig. Sie müssen die Mengen ab 1. Juli 2029 melden.
Erst ab 1. Jänner 2032 werden dann auch die Daten von Verbrauchern gesammelt, die 40.000 Kubikmeter im Jahr oder 30 Liter in der Sekunde aus dem Grundwasser nehmen. Ab dann sollen auch Entnahmen aus Oberflächengewässern gemeldet werden, wenn eine Entnahme von 250.000 Kubikmetern im Jahr bewilligt ist und das Wasser nicht wieder zurückgeleitet wird. Damit würden mehr als 80 Prozent aller Wasserentnahmen im Register aufgenommen, schätzt das Umweltministerium. Private Hausbrunnen werden nicht erfasst.
"Wir wussten bereits wie viel Wasser entnommen werden durfte, aber nicht, wie viel tatsächlich entnommen wurde", erklärte Neos-Sprecher Michael Bernhard. Erstmals werde jetzt auch ersichtlich, wie sich die Entnahme über die Jahre ändert. "Nur wenn wir wissen, wo wie viel Wasser von großen Verbrauchern entnommen wird, können wir vorausschauend planen und unsere Wasserversorgung für die Zukunft absichern“, so SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr.
Aber warum sollen viele Daten erst in sechs Jahren erfasst werden? Die Koalition argumentiert: Die Digitalisierung der vorhandenen Daten sei sehr zeit- und arbeitsintensiv. Bisher wurden die Daten nur analog abgelegt und die tatsächliche Entnahme in Bewilligungsverfahren bloß geschätzt. Der angesetzte Zeitplan sei bereits straff, meinte Totschnig, es stehe intensive Arbeit bevor.
Kritik an der Übergangszeit kommt von Umweltorganisationen. "Wir verlieren damit wertvolle Jahre, bis klar ist, wie viel Wasser tatsächlich entnommen wird", so die Leiterin des WWF-Flüsseteams Bettina Urbanek. Das Register müsse früher starten und schneller mehr Entnahmen erfassen als geplant, fordert sie. Der Vollausbau komme mit 2032 zu spät, kritisiert auch Sebastian Theissing-Matei, Wasser-Experte bei Greenpeace Österreich. "Dadurch bleibt die gesamte Landwirtschaft von der neuen Transparenz vorerst de facto ausgenommen."
Ein entscheidender Punkt werde zudem sein, wie die gesammelten Daten schließlich genutzt werden, betont unterdessen Roman Neunteufel, Wasserexperte an der Universität für Bodenkultur. "Das Register ist ein Werkzeug, um mehr Informationen zur Hand zu haben. Was zählt ist, welche Entscheidungen dann anhand dieser Daten getroffen werden." Zeichne sich in Zukunft ab, dass einem Wasserkörper zu große Mengen entnommen werden, müsse sich die Bewilligung neuer Projekte danach richten. Wichtig sei außerdem, die unterjährigen Entwicklungen nachverfolgen zu können.
Dazu sieht der Entwurf zwar vor, dass Betriebe die Daten monatlich messen. An das Register melden müssen sie jedoch nur einmal im Jahr. Kurzzeitige Schwankungen sind damit nicht ablesbar. Einen akuten Wassermangel kann das System demnach nicht abbilden.
Es gibt einige Regionen in Österreich, in denen sich künftig Nutzungskonflikte bereits abzeichnen, allen voran im südlichen Wiener Becken. Für dieses prognostizierte Neunteufel in der Studie "Wasserschatz Österreich" gemeinsam mit Kollegen eine Übernutzung des Grundwassers in nächsten Jahrzehnten. Auch im Weinviertel könnte man künftig mehr Wasser brauchen als verfügbar ist. Auf diese regionalen Entwicklungen müsse die Politik vorbereiten, sagt der Forscher. "Wenn wir jetzt planen, können wir künftige Nutzungskonflikte noch vermeiden." (Alicia Prager, 02.10.2026)
2026-10-02T12:27:40Z