US-WäHRUNGSHüTERIN DALY: FED MUSS SICH AUFS HANDELN VORBEREITEN

05. Aug (Reuters) - Nach der jüngsten Zinspause steht für die US-Notenbank laut der Währungshüterin Mary Daly Handlungsbereitschaft im Vordergrund. Die Federal Reserve sollte hinsichtlich der Inflation wachsam sein, sagte die Chefin des regionalen Fed-Bezirks San Francisco in einer Rede in Tokio. Vor der im September anstehenden Zinssitzung müssten die eingehenden Informationen gesichtet werden. Zugleich müsse man auch sehr gut darauf vorbereitet sein, zu handeln, mahnte Daly. Es gelte herauszufinden, ob die Inflation durch Angebotsschocks getrieben werde, die mit der Zeit nachlassen, oder ob sich eine länger anhaltende Inflationslage entwickele.

Daly ist derzeit kein stimmberechtigtes Mitglied im Fed-Offenmarktausschuss, der den Leitzins zuletzt in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen hat. Die Entscheidung war allerdings intern umstritten: Drei der zwölf Mitglieder votierten für eine Anhebung. Die Abweichler hielten es für angebracht, die Zinsen anzuheben, um der erhöhten Inflation Paroli zu bieten.

Daly äußerte sich in Tokio besorgt darüber, wie die Öffentlichkeit auf eine erneute Phase des Preisauftriebs reagieren könnte. Falls sich eine erneute Zunahme der Inflationsdynamik abzeichne, müsse die Fed entschlossen handeln, um den Preisdruck wieder auf das Zielniveau von 2,0 Prozent zurückzuführen. Die US-Zentralbank achtet besonders auf ein Inflationsmaß, das auf die Konsumgewohnheiten der Verbraucher ausgerichtet ist. Die auf Basis dieses sogenannten PCE-Index berechnete Teuerungsrate ging im Juni auf 3,7 Prozent zurück, nach 4,1 Prozent im Mai. Sie ist damit jedoch noch weit vom Fed-Ziel entfernt.

In der US-Notenbank mehren sich angesichts der hartnäckig hohen Teuerung die Rufe nach einer Zinserhöhung. Fed-Chef Kevin Warsh hat sich jedoch mit Blick auf den weiteren geldpolitischen Kurs bewusst bedeckt gehalten. An den Finanzmärkten wird nun darüber gerätselt, wie es mit den Zinsen weitergeht. Die Chance auf einen Schritt nach oben im September wird zurzeit auf rund 57 Prozent geschätzt.

(Bericht von Michael S. Derby, geschrieben von Reinhard Becker, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter [email protected] (für Politik und Konjunktur) oder [email protected] (für Unternehmen und Märkte).)

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