INFLATION BEI 3,6 PROZENT: GASTRONOMIE BEFüRCHTET WEITERE PREISSTEIGERUNGEN

Die Inflation hat in Österreich im September neuerlich einen kleinen Satz nach oben gemacht. Laut einer Schnellschätzung ist die Teuerung demnach auf 3,6 Prozent geklettert, nachdem sie im August noch bei 3,2 Prozent gelegen war. Ausschlaggebend für den Anstieg waren neuerlich die Energiepreise. "Der Anstieg von 0,4 Prozentpunkten ist zur Gänze auf die gestiegenen Treibstoff- und Heizölpreise zurückzuführen", erklärt Manuela Lenk, Generaldirektorin von Statistik Austria. Ein großer Beitrag zur Inflation kam weiterhin aus dem Dienstleistungsbereich.

Im Oktober wird die Spritpreisbremse wieder stärker angezogen. Nach lediglich 1,9 Cent je Liter im September sollen die Kosten für Benzin und Diesel im gerade angelaufenen Monat um insgesamt zwölf Cent gedrosselt werden. Nach Berechnungen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) wird diese Maßnahme die Inflation im Oktober um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte verringern. Das gewerkschaftsnahe Momentum Institut hat indes ermittelt, dass alleine 0,8 Prozentpunkte der September-Inflationsrate durch die Margensteigerungen der Mineralölkonzerne bei Diesel, Benzin und Heizöl zustande kommen.

Betroffen von den hohen Treibstoffkosten sind laut einer Konsumerhebung der Statistik Austria vor allem Männer, die in allen Altersgruppen mehr für Verkehr ausgeben als Frauen. Wobei die Menschen mit steigendem Alter generell mehr für Fahrzeugservice, Treibstoff, Fahrzeugkauf und öffentliche Verkehrsmittel aufwenden. In der Altersgruppe ab 65 Jahren geben Männer mit durchschnittlich 439 Euro pro Monat fast dreimal so viel dafür aus wie Frauen derselben Altersgruppe mit 159 Euro.

Höhere Kosten für Gastro

Auch die monatlichen Ausgaben in der Gastronomie liegen bei Männern mit 218 Euro im Mittel deutlich höher als bei Frauen mit 138 Euro. Generell ist der Preisauftrieb bei den personalintensiven Dienstleistungen höher als die Gesamtinflation, so auch in der Gastronomie, wo die Verteuerung im vergangenen Jahr 4,7 Prozent betragen hat. Die Branche möchte aber nicht wie im Vorjahr – aus ihrer Sicht zu Unrecht – als Preistreiber dargestellt werden. Allerdings räumt Thomas Peschta, Gastroobmann der Wiener Wirtschaftskammer, ein, dass infolge von Hitze, Dürre und wegen der hohen Ölpreise weitere Kostensteigerungen auf die Betriebe zukommen.

Die gestiegenen Treibstoffpreise würde die Gastronomie indirekt über Preiserhöhungen von Zulieferern treffen, erwartbar höhere Strom- und Gaspreise im Winter würden die Branche zusätzlich direkt belasten. Die Dürre in Europa habe zudem Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Weizen oder Zwiebeln verteuert, was Peschta "große Sorgen bereitet". Denn aus einem Euro Mehrkosten bei Lebensmitteln würden im Gasthaus dann drei oder vier Euro Verteuerung. Dazu kommt, dass die Löhne und Gehälter in der Gastronomie und Hotellerie per Anfang Oktober um durchschnittlich drei Prozent gestiegen sind. Der Obmann erwartet, dass sich auch die steigenden Personalkosten bald "in den Speisekarten finden müssen".

Teures Schnitzel in Salzburg

Heuer sei das Geschäft in der Branche wegen der Hitze "in Summe durchwachsen" gelaufen. Unter dem Strich sei aber "die Ertragslage nicht unbedingt rosig", auch in der Innenstadt gingen die Umsätze pro Gast zurück. Ein Riesenthema sei auch der Absatzrückgang von alkoholischen Getränken, der bei Rotwein "besonders eklatant" ausgefallen sei. Allerdings hält Peschta Probleme bei Zustelldiensten wegen des De-facto-Verbots von E-Mopeds seit Oktober für vorstellbar. Die Folgen? "Billiger wird es nicht werden", sagt er, der schon jetzt die Kosten für die Lieferung für "überteuert" hält und hofft, dass sich künftig wieder mehr Menschen in Gaststuben bewirten lassen.

Unterdessen hat der Zustelldienst Lieferando in seinem Datenschatz gekramt und Details zum Konsum des Wiener Schnitzels daraus erhoben. Demnach wurden von Jahresbeginn bis Ende August alleine in der Bundeshauptstadt 142.318 Portionen des Nationalgerichts ausgeliefert, das entspricht im Mittel 7,4 Schnitzeln pro 100 Einwohner. Damit liegt Wien klar vor Linz, Graz, Innsbruck und Salzburg als Schlusslicht, wo im Schnitt nur 2,1 Portionen konsumiert wurden. Dafür ist dort ein Wiener Schnitzerl vom Schwein mit durchschnittlich 19,73 Euro am teuersten, knapp gefolgt von Innsbruck mit 18,31 Euro. Moderater sind die Preise in Linz mit 16,31 Euro, Wien mit 15,09 Euro und Graz mit 14,66 Euro. Österreichweit sind die Preise für ein Schweineschnitzel Lieferando zufolge um sechs Prozent gestiegen.

Wellen geschlagen hat im Spätsommer eine Erhebung der Arbeiterkammer, wonach bei einer Stichprobe in 30 Wiener Lokalen nur bei drei Vertretern Leitungswasser gänzlich kostenlos war. Andere verlangten demnach für einen halben Liter im Mittel 2,05 Euro, wobei der Höchstpreis bei 3,60 Euro lag. Gastroobmann Peschta empfindet die Erhebung angesichts der geringen Stichprobe bei insgesamt 8000 Wiener Betrieben als "ungehörig". Vielerorts sei Wasser noch gratis, man müsse aber auf die Kosten schauen – speziell, wenn Gäste kein anderes Getränk konsumierten. Das Thema sei aber "schwierig", meint er und räumt ein, dass mehr Transparenz bei der Bepreisung von Leitungswasser empfehlenswert wäre.

Eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln in der Gastronomie lehnt er aber wegen des hohen Bürokratieaufwands ab. Er spricht sich für Freiwilligkeit aus, worauf sich zuletzt auch die Wirtschaftskammer Österreich und die Landwirtschaftskammer geeinigt haben. Peschta sieht darin auch eine Chance für jene Betriebe, die auf Regionalität setzen, sich mit entsprechenden Hinweisen selbst zu vermarkten.

Starke Inflationsängste

Zurück zur allgemeinen Inflation, die in Deutschland im September wegen der hohen Treibstoffpreise auf den höchsten Stand seit Ende 2023 geklettert ist. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, nach 2,9 Prozent im August. Einer Umfrage des Münchener Ifo-Instituts zufolge wälzen immer mehr Unternehmen bereits die höheren Energiekosten auf ihre Verkaufspreise über. Ökonom Timo Wollmershäuser erwartet daher, dass die deutsche Inflationsrate auch in den nächsten Monaten über der Marke von drei Prozent verharren wird.

Die Sorge vor steigenden Lebenshaltungskosten ist übrigens die größte Angst der Deutschen. Rund 59 Prozent der Menschen fürchten sich vor einer dauerhaften finanziellen Überlastung, geht aus einer Langzeitstudie des Versicherers R+V hervor. Dies ist das fünfte Mal in Folge der erste Platz für Inflationsängste in der jährlich durchgeführten Erhebung. Es ist anzunehmen, dass in Österreich die Sorgen um steigende Kosten im Alltag die Menschen in ähnlichem Maß umtreiben. (Alexander Hahn, 2.10.2026)

2026-10-02T07:27:40Z