Washington, 02. Okt (Reuters) - Mit einem unerwartet niedrigen Stellenaufbau hat der US-Arbeitsmarkt für eine negative Überraschung gesorgt. Unter dem Strich entstanden im September nur 29.000 Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Job-Bericht der Regierung hervorgeht. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten mit mehr als dem Dreifachen dieser Zahl gerechnet. Auch waren im August nach revidierten Daten nur 133.000 Arbeitsplätze entstanden, anstatt der zunächst gemeldeten 162.000 Jobs. Die Arbeitslosenquote stieg zudem im September auf 4,2 Prozent. Hier hatten Experten mit einem Verharren auf dem Vormonatswert gerechnet.
"Das Ganze dürfte mehr ein Ausrutscher als ein neuer Trend sein", so die Einschätzung von Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Bank Bethmann HAL. Wahrscheinlich werde das schwache Ergebnis mit dem nächsten Bericht schon wieder ausgebügelt. Der Anstieg der Arbeitslosenquote sei kaum der Rede wert. Das Niveau gilt weiter als niedrig und entspricht quasi Vollbeschäftigung. Es wird auch deshalb niedrig gehalten, da Verrentungen und das harte Vorgehen der Regierung von US-Präsident Donald Trump gegen Einwanderung das Arbeitskräfteangebot verringern.
"KEINE NOTWENDIGKEIT FÜR AGGRESSIVE ZINSERHÖHUNGEN"
Die US-Notenbank Federal Reserve soll für Vollbeschäftigung und stabile Preise sorgen und achtet somit genau auf die Jobdaten. Sie hat den Leitzins zuletzt auf die neue Spanne von 3,75 bis 4,0 Prozent angehoben. Sie stemmte sich damit gegen den Inflationsschub - eine Folge des Iran-Krieges und der damit stark gestiegenen Ölpreise. Die Notenbank bescheinigte dem Arbeitsmarkt zugleich Mitte September, dass der Beschäftigungszuwachs mit dem Wachstum der Erwerbsbevölkerung Schritt gehalten habe. Einer Faustregel von Volkswirten zufolge muss die Wirtschaft dafür monatlich zwischen 50.000 und 80.000 Arbeitsplätze schaffen. Der jüngste Stellenaufbau ist damit deutlich zu niedrig. Doch handelt es sich dabei zunächst nur um eine Momentaufnahme.
Der Chef des Fed-Bezirks New York, John Williams, hat jüngst erklärt, er sehe derzeit keine Eile für eine weitere Verschärfung der Geldpolitik. "Der Arbeitsmarktbericht wird die Fed in ihrem Ausblick moderater Zinsanhebungen bestätigen", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Die Projektionen der Notenbankmitglieder zeigten eine weitere Zinsanhebung im laufenden Jahr an: "Die Notwendigkeit für aggressive Zinsanhebungen lässt sich jedenfalls aus dem heute veröffentlichten Wasserstandsbericht des US-Jobmarktes nicht ableiten."
Die Hoffnung auf eine eher moderat ausfallende Straffung der Geldpolitik trieb die Futures für die wichtigsten US-Indizes um jeweils rund ein Prozent nach oben. Anleger griffen auch bei den US-Staatsanleihen zu, was die Renditen zehnjähriger Bonds auf 5,176 Prozent nach zuvor rund 5,240 Prozent drückte. Der Dollar-Index gab 0,2 Prozent auf 101,882 Punkte nach.
(Bericht von Lucia Mutikani, geschrieben von Reinhard Becker, Mitarbeit Sanne Schimanski, Klaus Lauer, redigiert von Christian Götz.)
2026-10-02T15:40:40Z