SPRITPREISE ZUM START DES TANKRABATTS RUND 13 CENT NIEDRIGER

Berlin, 02. Okt (Reuters) - Zum Start des neuen Tankrabatts waren die Preise an den Zapfsäulen laut ADAC spürbar günstiger. "Im Vergleich zum Vortag sind die Tagesdurchschnittspreise am ersten Tag des aktuellen Tankrabatts um rund 13 Cent gesunken", teilte der ADAC am Freitag mit. Bundesweit kostete demnach ein Liter Benzin der Sorte Super E10 am Donnerstag im Schnitt 2,114 Euro und Diesel 2,262 Euro. Der ADAC hat die Mineralölkonzerne wiederholt aufgefordert, rasch die volle Entlastung durch die Energiesteuersenkung von rund 17 Cent weiterzureichen. Auch Kartellamtspräsident Andreas Mundt appellierte an die Firmen, dies zu tun - auch wenn sie dazu nicht verpflichtet seien.

Die staatlich subventionierte Entlastung gilt von Anfang Oktober bis Ende Dezember und soll die zuletzt wieder stark angezogenen Preise im Zuge des Krieges in Nahost um knapp 17 Cent je Liter Diesel und Benzin drücken. Der umstrittene Tankrabatt wird rund 2,5 Milliarden Euro kosten, die von Bund und Ländern je zur Hälfte getragen werden. 14 Cent je Liter gehen auf die Senkung der Energiesteuer zurück, wodurch noch einmal drei Cent bei der Mehrwertsteuer entfallen.

Neben dem Tankrabatt sollen nächstes Jahr auch Entlastungen per Direktüberweisung möglich gemacht werden. Zudem soll das Wirtschaftsministerium einen Gesetzentwurf für einen Preisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens ausarbeiten, der dann ab spätestens Anfang 2027 greifen soll.

KARTELLAMT WARNT VOR KOMPLEXEM EINGRIFF BEI PREISDECKEL

"Ein staatlicher Preisdeckel ist aus wettbewerblicher Sicht ein komplexer Eingriff in den Markt", warnte der Chef des Bundeskartellamts. Entscheidend werde sein, wie man einen solchen Höchstpreis bestimme und wie man die Beschaffungs- und Produktionskosten berücksichtige, sagte Mundt. "Liegt er zu hoch, besteht die Gefahr, dass er selbst zu einem Orientierungspunkt für den Markt wird und sich die Anbieter mit ihren Preisen an diesem Höchstpreis ausrichten, anstatt sich gegenseitig zu unterbieten." Liege der Preisdeckel zu niedrig, könnten Fehlanreize entstehen, etwa zulasten der Produktion oder der Versorgung des deutschen Marktes. Die Preisbildung auf den Kraftstoffmärkten sei komplex, betonte Mundt.

Im abgelaufenen Sommerquartal kletterten die Durchschnittspreise für die Benzinsorte E10 dem Kartellamt zufolge um gut 18 Cent auf 2,17 Euro pro Liter und für Diesel um 21 Cent auf 2,234 Euro. "Im Zusammenhang mit den Entwicklungen im Nahost-Konflikt um die Meerenge Bab al-Mandab und die saudische Ost-West-Ölpipeline stiegen die Kraftstoffpreise insbesondere in der ersten Septemberhälfte deutlich an", erklärten die Wettbewerbshüter. Die Entkopplung der Kraftstoffpreise vom Rohölpreis habe zwischen Juni und September wieder stark zugenommen. Regional habe es deutliche Unterschiede bei den Tankstellenpreisen gegeben. "Während das Niedrigwasser auf dem Rhein im Westen zu Versorgungsengpässen und damit einem höheren Preisniveau führte, entstand im Süden Mengendruck, der den allgemeinen Preisanstieg abbremste."

KRITIK AN GIESSKANNE - RUFE NACH GEZIELTER HILFE

Der stellvertretende SPD-Chef Alexander Schweitzer forderte von der Bundesregierung mehr Entlastungen für die Bürger. Die Regierungskoalition von Union und SPD müsse "dafür sorgen, dass eine Entlastung beim Tanken bestehen bleibt – und das auch über das Jahresende hinaus", sagte der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz der "Zeit". "Hier muss die Bundesregierung jetzt konkrete Lösungen vorlegen."

Ökonomen, Opposition und Verbraucherschützer kritisieren den Tankrabatt als teuer, ineffizient und nicht zielgenau genug. "Das Geld fehlt an anderen Stellen und droht, zum Konzernrabatt zu werden, weil wir eben sehen, dass das tatsächlich nicht eins zu eins an die Verbraucher und Verbraucherinnen durchgereicht wird", sagte die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop, zu Reuters TV. Per Gießkannenprinzip würden auch diejenigen entlastet, "die sich das vielleicht leisten könnten, höhere Spritpreise zu bezahlen." Besser wären zielgenaue Hilfen per Direktzahlung an einkommensschwache Haushalte.

(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter [email protected] (für Politik und Konjunktur) oder [email protected] (für Unternehmen und Märkte).)

2026-10-02T11:50:38Z