NEOS VERäRGERN KOALITIONSPARTNER MIT VORSCHLAG ZUR SONNTAGSöFFNUNG

So verlässlich wie der Sonntag auf den Samstag folgt, keimen auch die Debatten zur Sonntagsöffnung im Handel regelmäßig auf. Kein Sommer vergeht ohne neue Vorstöße, auch der nunmehrige nicht. Diesmal ist es ein Vorschlag der Neos. Was in anderen Ländern üblich ist, sollte auch in Österreich funktionieren, argumentieren die Pinken anlässlich der Urlaubszeit. Der Juniorpartner in der Dreierkoalition fordert folglich die Öffnung der Geschäfte auch an Sonntagen – zumindest in gewissen Fällen.

"Wir fordern nicht, dass jedes Geschäft und jeder Supermarkt in Österreich das ganze Jahr über jeden Sonntag öffnen muss", stellt man klar. Wohl, um den verärgerten Koalitionären Wind aus den Segeln zu nehmen. Gelungen ist das nicht. Postwendend erteilten SPÖ und ÖVP der Idee eine Absage. "Der arbeitsfreie Sonntag stellt sicher, dass es einen Tag in der Woche gibt, an dem alle Familienmitglieder Zeit füreinander haben", mahnt die rote Bundesorganisation. Auch die Wiener SPÖ lässt sich die Chance nicht entgehen, vehement auf den Sonntag als Zweck der Erholung hinzuweisen.

Die Wiener ÖVP geht auf Konfrontation: Der Vorstoß offenbare "die Orientierungslosigkeit der Neos", polterte der schwarze Landesparteiobmann Markus Figl. Ihm stößt sauer auf, dass die Neos zwar Forderungen aufstellten, trotz Regierungsbeteiligung in Wien aber nicht tätig würden. Figl selbst hat eine Liberalisierung allein heuer mehrmals gefordert.

"Angriff auf Lebensqualität"

Was hat die Gemüter derart erregt? Den Neos schwebt vor, inhabergeführten Geschäften die Öffnung an Sonn- und Feiertagen zu ermöglichen. Unternehmerinnen und Unternehmern solle offenstehen, ob sie sonntags arbeiten möchten oder nicht. Zudem sprechen sich die Neos für definierte Tourismuszonen aus, die die koordinierte Sonntagsöffnung auch für Geschäfte mit Personal ermöglichen sollen.

"Wir fordern eine freiwillige Öffnungsmöglichkeit für alle, die aufsperren möchten, dort, wo der Bedarf besteht", resümierten Bundeswirtschaftssprecher Markus Hofer und dessen Wiener Kollege Markus Ornig am Mittwoch.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim warnt hingegen vor einer "Hintertür", um den "arbeitsfreien Sonntag" gänzlich abzuschaffen. "Der organisatorische Aufwand ist hoch, während der tatsächliche Mehrwert überschaubar bleibt", erinnert sein Wiener Parteikollege Jörg Neumayer an Ausweitungen der Öffnungszeiten im Zuge vergangener Großevents. Die Gewerkschaft GPA sieht im Falle einer Umsetzung des Neos-Vorstoßes einen "direkten Angriff auf die Lebensqualität tausender Beschäftigter und ihrer Familien".

Konkurrierende Interessen

Es zeigt sich einmal mehr: Die Sonntagsöffnung ist eine heiße Kartoffel, an der man sich schnell einmal verbrennt; erhitzt durch einen feurigen Mix konkurrierender Interessen.

Da wären etwa die Konsumentinnen und Konsumenten. Die Wiener Bevölkerung wünscht sich mehrheitlich (63 Prozent), das ergab eine Umfrage der Linzer Kepler-Universität im Vorjahr, die Möglichkeit, auch sonntags einkaufen zu können. 23 Prozent würden die Option "jedenfalls" nutzen, 40 Prozent ab und zu. Vor allem junge Menschen wollen die Annehmlichkeit nicht missen.

Und die Handelsangestellten selbst? Sie lehnen die Sonntagsöffnung mehrheitlich ab, wenn man einer Ifes-Umfrage im Auftrag der GPA Glauben schenkt. Demnach hält es die Hälfte der befragten Beschäftigten für "gar nicht" nötig, die Geschäfte sonntags zu öffnen. Weitere 25 Prozent halten dies für "eher nicht" nötig. Nur ein knappes Viertel fände die Liberalisierung gut.

Ambivalent

Handelsexperten zeigen sich zwiegespalten und führen etwa ins Treffen, dass aus Freiwilligkeit Zwang werden kann. Denn wer sonntags nicht öffnet, überlässt anderen das Geschäft.

Ambivalent ist auch die Position der Neos selbst: Sie kritisieren die Landeshauptleute, die sich nicht auf Tourismuszonen festlegen würden. Dabei ist es ausgerechnet die Landesregierung der Bundeshauptstadt, die sich nicht dazu durchringen kann. Dort sitzen neben der SPÖ bekanntlich auch die Neos. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) tat erst im April seine Ablehnung kund. Beim Landesparteitag sprach er davon, das Thema "für die nächste Zeit ad acta" zu legen. (Nicolas Dworak, 6.8.2026)

2026-08-06T09:12:39Z