Berlin, 06. Aug (Reuters) - Das anhaltende Niedrigwasser am Rhein kann dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge höhere Preise nach sich ziehen. "Niedrigwasser kann regional Belastungen auslösen und in ausgeprägten Episoden auch die Treibstoffpreise im Rheinraum nach oben treiben", sagte IW-Experte Simon Gerards Iglesias am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Für die gesamtdeutsche Inflationsrate sei eher mit einem "kleinen direkten Effekt" zu rechnen. "Die größeren wirtschaftlichen Folgen liegen voraussichtlich weniger bei der Inflation als bei Logistik, Industrieproduktion und einzelnen Lieferketten", sagte der Kölner Forscher.
Dadurch könne Niedrigwasser indirekt auch preistreibend wirken. Der Effekt auf die Verbraucherpreise sei aber weder zwingend noch vollständig. Unternehmen könnten zum einen auf alternative Transportwege ausweichen, zum anderen Lagerbestände nutzen oder die Produktion drosseln. "Über Probleme bei Logistik, Industrieproduktion und Lieferketten kann sich Niedrigwasser also durchaus auf die Preise auswirken", betonte Iglesias. "Die verfügbaren Daten sprechen aber dafür, dass dieser Effekt regional sichtbar, gesamtdeutsch jedoch begrenzt bleibt."
Der IW-Experte verweist auf Erfahrungen mit dem ausgeprägten Niedrigwasser 2018. Damals habe von August bis zum Jahreswechsel die Treibstoffpreisinflation in den Rheinländern im Durchschnitt um rund 2,8 Prozentpunkte über der Vergleichsgruppe gelegen. Besonders auffällig war demnach der November 2018 mit einem Plus von rund 7,5 Prozentpunkten. "Das spricht dafür, dass extremes und länger anhaltendes Niedrigwasser regional durchaus einen spürbaren Preiseffekt auslösen kann", sagte Iglesias.
Der Rhein-Pegelstand auf der für die Schifffahrt wichtigen Engstelle Kaub ist am Mittwoch bis auf 17 Zentimeter gefallen - der geringste jemals gemessene Wasserstand in Kaub. Die eigentliche Fahrrinnentiefe liegt nur noch bei etwa 130 Zentimetern. Schiffe können deshalb teils nur mit einem Sechstel der üblichen Fracht beladen werden. Händlern zufolge sind die Kosten für den Transport mit Tanker- und Binnenschiffen von Rotterdam nach Karlsruhe zuletzt auf rund 150 bis 160 Euro pro Tonne gestiegen, verglichen mit 45 Euro Ende Juni.
(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Sabine Ehrhardt - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter [email protected])
2026-08-06T08:50:40Z