Mit dem kommenden Winterflugplan ist die Strecke Wien-Graz bei der AUA ab Oktober Geschichte. Dass danach auch Innsbruck und Klagenfurt aus dem Flugplan fallen könnten, wollte AUA-Chefin Annette Mann bei der Präsentation der Halbjahreszahlen der Airline am Dienstag nicht ausschließen. Die AUA verliere auf den vergleichsweise wenigen Flügen in die Landeshauptstädte deutlich zweistellige Millionenbeträge, sagte die AUA-Chefin.
Auch Wien-Graz war seit Jahren hoch defizitär. Genutzt worden sei die Strecke zu 99 Prozent von Umsteigern, sagte Mann. Mit Verbindungen der Lufthansa, Swiss und Eurowings würden große Hubs wie München, Frankfurt und Zürich auch weiterhin angeflogen. Sie gehe „ehrlicherweise“ nicht davon aus, dass die Verbindung nach Graz wieder aufgenommen werde.
Von Streichungen ist auch Klagenfurt im Winterflugplan bereits betroffen. Eine Spätverbindung, bei der die Crew in der Kärntner Landeshauptstadt übernachten musste, wurde ebenfalls gekappt.
Um die Destinationen zu sichern, brauche es langfristige, strukturelle Lösungen, mahnte Mann, um nicht immer „von Flugplan zu Flugplan“ entscheiden zu müssen. Die von der Regierung in Aussicht gestellten insgesamt 60 Millionen Euro in den Jahren 2027/28 für den Luftfahrtstandort seien dafür jedenfalls zu wenig. Eine Absenkung der Luftverkehrssteuer wäre jedenfalls ein guter Start, meinte die AUA-Chefin. Für die Abgabe sind für heuer 180 Millionen Euro budgetiert. Daneben sei die Airline aber auch mit einer Reihe weiterer Gebühren belastet.
Vorstellbar sei auch ein Betrieb der Strecken mit Partnern. Dabei stecke der Teufel aber im Detail. „Solche Modelle scheitern immer wieder“, sagte Mann.
Die durch den Iran-Krieg stark gestiegenen Kerosinpreise haben der Airline im ersten Halbjahr zugesetzt und den Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf 94 Millionen Euro steigen lassen. Die Mehrkosten durch den teureren Treibstoff bezifferte Mann mit 60 Millionen Euro. Weitere 40 Millionen Euro hat der AUA die Einstellung von Destinationen in den Nahen und Mittleren Osten gekostet, wie Mann vorrechnete. Höhere Ticketpreise konnten die Abgänge nur zum Teil ausgleichen.
Um gegenzusteuern, will die AUA auch Flüge von Wien nach Tiflis, Keflavik und Porto pausieren. Neben dem Nightstop in Klagenfurt werden auch Spätverbindungen nach Kopenhagen, Warschau und Krakau gestrichen.
Sparen will Mann auch in der Verwaltung. Dabei dürften auch Stellen gestrichen werden. Bereits in den vergangenen Jahren habe man 15 Prozent der administrativen Jobs abgebaut. Den Prozess wolle man kontinuierlich fortsetzen.
Die Zahl der Passagiere legte bei der AUA trotz der gestrichenen Destinationen im Nahen Osten um sechs Prozent auf 7 Millionen zu. Es sei gelungen, die Destinationen in den Mittelmeerraum umzuverteilen, hieß es. Die Auslastung stieg um 3,5 Prozent auf 80,6 Prozent. Die Nachfrage sei nach wie vor extrem hoch, sagte Mann.
Der Umsatz legte im Jahresvergleich um vier Prozent auf über 1,2 Milliarden Euro zu. Durch den Wegfall von Billigfliegern am Standort Wien konnte die AUA laut Mann auch Marktanteile gewinnen.
An langfristigen Investitionen in neue Flugzeuge - noch heuer sollen u. a. zwei neue Langstreckenflugzeuge vom Typ Boeing 787-9 „Dreamliner“ in Betrieb genommen werden -, den Ausbau der Lounges und des Bordservice will man trotz der Krise durch den Nahost-Krieg festhalten. Für das Gesamtjahr rechnet der Airline weiterhin mit schwarzen Zahlen.
2026-08-04T05:55:20Z